Wow! Die “großen” schwenken um. Weil beim Staat und Banken das Geld nicht mehr so locker sitzt und weil, grob gesagt, seit Fukoshima ihre Kernkraftwerks-Versicherungspolicen vermutlich um einiges teurer geworden sind.
Aber nicht wegen der Umwelt. Sondern wegen ihrem Geldbeutel. So “lernt” der Mensch Schrittweise dazu. Jetzt müssten alle europäer und allen voran die Deutschen zeigen, dass Sie alle mit anpacken können und die Energiewende wirklich wollen bzw. sich gut organisieren.
Die Bauern waren fix, bauen Photovoltaik-Anlagen auf klapprige Stadel oder stellen einfach einen Proforma-Stadel hin. Ohne Inhalt, aber mit PV uffm Dach und Rendite inna Dasch.
Weil mit Subventionen kennen Sie sich aus. Ohne Sie, könnten Sie nicht existieren. So auch, die Kernkraft.
Energiemix 07.06.2011

Atomares AuslaufmodellExperten bezweifeln eine Renaissance der Nuklearenergie

Steven Hanke

ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Mit dem soeben vom Kabinett beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie befindet sich die Bundesregierung im internationalen Vergleich auf einem Sonderweg, behaupten Kritiker – und beschwören eine globale Renaissance der Atomkraft. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das angebliche Comeback ist womöglich eine Mär.

Brasiliens strahlende Atomzukunft lagert in Holzkisten. Tausende Einzelteile wie Pumpen, Turbinen und Generatoren des geplanten dritten Reaktorblocks im Kernkraftwerk Angra wurden vor mittlerweile 27 Jahren aus Deutschland geliefert – und vorübergehend verpackt. Seit 1984 verzögert sich der Bau, weil dem Betreiber das Geld fehlt. Mit einer Bürgschaft der deutschen Steuerzahler soll der notwendige Kredit nun gewährt werden. Schließlich profitiert davon der Erbauer, die deutsche Firma Areva NP. Im Jahr 2015 soll der Druckwasserreaktor endlich den Betrieb aufnehmen.

Angra 3 verdeutlicht das Dilemma der Atomindustrie. Sie träumt seit Jahren von einem Comeback, nachdem die Zahl der Kraftwerke Ende der 1980er Jahre stagnierte. Die Internationale Energieagentur (IEA) prophezeit in ihrem Jahresausblick 2010 sogar eine Steigerung der installierten Leistung bis 2035 um 80 Prozent. Ob es soweit kommt, steht aber in den Sternen. Zwar befinden sich aktuell insgesamt 62 Reaktorblöcke in 15 Ländern in der Errichtungsphase und mehr als 140 in der Planung. 13 von ihnen sind jedoch schon seit über 20 Jahren, zwei weitere seit zehn Jahren “im Bau”. Ein Großteil der angekündigten Neubauten wurde nie realisiert. Und selbst wenn die geplanten Projekte umgesetzt werden, reicht das nach Einschätzung vieler Experten für eine Trendwende nicht aus. In einem Gutachten für das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz kommt die Prognos AG zu dem Ergebnis: „Wir erwarten bis zum Jahr 2030 keine Renaissance der Kernenergienutzung“.

Zahl der Meiler sinkt um 29 Prozent“

Ganz im Gegenteil. Die altersbedingten Abschaltungen würden dazu führen, dass die Zahl der Reaktoren bis zum Jahr 2020 voraussichtlich um 22 Prozent und bis 2030 um zirka 29 Prozent sinkt. Das Niveau des Baubooms der 1970er- und 80er Jahre wird laut Prognos „nicht mehr erreicht“. Lediglich rund ein Drittel der vom Internationalen Verband der Kernenergie (WNA) bis 2030 angekündigten Neubauprojekte würde realisiert. Nur um den Bestand zu erhalten, müssten weltweit jährlich 20 bis 30 neue Anlagen errichtet werden – was unrealistisch ist. Im Schnitt der vergangenen 20 Jahre waren es vier bis fünf.

Erstmals seit Beginn der kommerziellen Nutzung der Atomenergie ging 2008 weltweit kein neues AKW ans Netz. Die Atomkraft als Auslaufmodell – diese Erkenntnis wäre Wasser auf die Mühlen der aktuellen deutschen Politik. Ihr wird häufig vorgeworfen, mit ihren Plänen zum endgültigen Ausstieg bis spätestens 2022 im internationalen Vergleich einen Sonderweg zu beschreiten. Vielleicht wird sie damit aber nur einem Branchentrend gerecht.

Finnen heben Moratorium auf 

Die friedliche Nutzung der Kernenergie begann in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ohne staatliche Unterstützung, ursprünglich aus militärischen Gründen, wäre es kaum zum großtechnischen Einsatz in der Energiewirtschaft gekommen. Bis in die Achtziger Jahre erlebte der Reaktorbau einen Boom, der mit dem Unglück von Tschernobyl 1986 und dem Ende des kalten Krieges aber stagnierte. Das 20-jährige, faktische Neubau-Moratorium in der westlichen Welt mit Ausnahme von Frankreich und Japan endete mit dem Baubeginn des ersten Reaktors der dritten Generation im finnischen Olkiluoto 2005. Damit verbunden war die Hoffnung auf eine CO2-freie, sichere Energieversorgung. Vor allem China, Russland, Indien und Korea sind die Treiber des Aufschwungs.

„Die Situation hat sich in den vergangenen drei oder vier Jahren massiv verändert“, erklärt Luis Echávarri, Generaldirektor der Nuclear Energy Agency (NEA), auf dem Weltenergiegipfel im September 2010 gegenüber ENERGLOBE.DE. Seine Prognose: „In einigen Jahren wird es eine signifikante Zahl von Ländern geben, die neue Kernkraftwerke bauen“.

Neue Kernkraft – Die Ökonomie sagt nein“

Dagegen sprechen wirtschaftliche Gründe. Die Atomkraft verdankt ihre Existenz allein politischer Unterstützung und wäre im freien Spiel der Marktkräfte nicht konkurrenzfähig. Das gilt vor allem, sollte sie sich irgendwann in voller Höhe gegen potentielle Schäden versichern müssen. Wegen der Finanzkrise sitzt das Geld bei Banken und Staaten nicht mehr so locker. Die enormen Anfangsinvestitionen rechnen sich nur, wenn die späteren Einnahmen durch Versorgungsmonopole der Konzerne gesichert sind – was in Zeiten der Liberalisierung und immer stärker werdender erneuerbarer Energien immer weniger der Fall ist. Die Branche kämpft zudem mit Kostensteigerungen. Es fehlt an Material und qualifizierten Mitarbeitern. Außerdem leidet die Wettbewerbsfähigkeit der emissionsarmen Kernenergie unter den geringen Preisen für Luftverschgmutzunbgsrechte im europäischen Emissionshandel.

Analysten der Citibank fanden Ende 2009 deutliche Worte. Ihre Studie trägt den bezeichnenden Titel „New Nuclear – The Economics say no“, zu deutsch „Neue Kernkraft – Die Ökonomie sagt nein“. Die Probleme beim Bau könnten selbst die größten Energieversorger überfordern. So wächst sich das Prestigeprojekt Olkiluoto 3 zu einem finanziellen Desaster aus, nicht zuletzt, weil die finnische Regierung Nachbesserungen bei der Sicherheit verlangt. Das Kraftwerk wird vielleicht dopppelt so teuer wie geplant. Die Fertigstellung verzögert sich um einige Jahre.

Weitere Informationen: 

Studie der Prognos AG im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz, „Renaissance der Kernenergie?“: www.prognos.com

Citibank-Studie „New Nuclear – The Ecoonomics Say No“: www.citigroupgeo.com

Reportage, unter anderem zum brasilianischen Kernkraftwerk Angra 3: www.zdf.de

FAZ vom 6. Februar 2010, „Von wegen Renaissance der Atomkraft“: www.faz.net

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